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Drei Schwestern erzählen:

Damals, vor ungefähr 60 Jahren, waren die Gebäude noch anders, sie waren direkt an die Dorfstrasse gebaut. Vorne am Kindergartengebäude wuchsen zwei Birnbäume als Spalierobst die Wand hoch.
Neben dem Schwesternhaus war eine Holzhalle mit Hühnerstall, dahinter war ein großer Gemüsegarten. Die Badewanne dort war immer mit Wasser gefüllt und alle Kinder bekamen mit dem Waschlappen, der auch immer da, war den Mund abgewaschen. Die Linde, die noch auf dem Spielplatz des Kindergartengeländes steht war auch früher schon auf ihrem Platz. Unter der Linde war auch schon ein Sandkasten.

So in etwa war das Gelände zu unserer Kindergarten

Grundriss - So in etwa war das Gelände zur Zeit der Ordensschwestern


Morgens, um 9.00 Uhr fing der Kindergarten an.
Mit frisch geflochtenen Zöpfen machten wir uns selbständig auf den Weg in den Kindergarten. Wir hatten ein kleines selbstgenähtes Kindergartentäschchen, in dem sich ein Butterbrot und manchmal im Herbst/Winter auch einen Apfel befand. Zum Trinken hatten wir nichts mitbekommen, wer Durst hatte ging an die Wasserleitung.

Um 11.00 Uhr ging es wieder heim zum Mittagessen.

Nachmittags war der Kindergarten ab 13.00 Uhr wieder für uns geöffnet.
Jedoch begann der Nachmittag erst einmal mit einem Mittagsschläfchen für die Kleinen und Ausruhen für die Großen. Der Raum wurde abgedunkelt. Die Kleinen konnten auf Klappbetten ruhen, wir Großen mussten mit dem Kopf auf den verschränkten Armen ruhend, am dem Tisch die Zeit abwarten. In unserem Kindergartenzimmer stand ein Harmonium. Es wurde sehr oft und viel gebetet und gesungen und Geschichten vorgelesen, z. b. von der Muttergottes und dem Jesuskind. Die Ordensschwester saß am Harmonium und spielte und alle Kinder saßen außen herum und sangen aus vollem Hals. Hat sich einmal einer daneben benommen, musste er hinter dem Harmonium seine Strafe absitzen.

Auch hatten wir Tische und Bänke im Zimmer, ähnlich der heutigen Festgarnituren, nur niedriger, für uns Kinder halt. Spielsachen gab es nicht so viel. An zwei Puppen können wir uns noch erinnern, eine schöne, mit Samtkleid und eine zusammen genähte Stoffpuppe mit langen Schlenkerarmen und Schlenkerbeinen. Die Buben spielten mit Holzbauklötzen.

Da wir nur sehr wenig Spielsachen hatten waren wir die meiste Zeit draußen im Hof. Eine Lieblingsbeschäftigung war, die Hühner der Ordensschwestern ein bisschen auf Trab zu halten und durch den ganzen Hof zu jagen.

Die Kleineren spielten im Sand, mit Steinen und kleinen Stöckchen verzierten sie Sandkuchen und gruben Löcher und Tunnel. Wir hatten aber auch kleine Eimerchen, Schaufeln und Blechförmchen zum Kuchen backen, jedoch nie genug. Dabei wurde auch so manches mal mit Sand um sich geworfen um das Spielzeug zu verteidigen. Wir Großen spielten meistens Abklatschen und Hühner jagen. Oft mussten die älteren Kindergartenkinder auf die Jüngeren aufpassen und auch mit ihnen auf die Toilette gehen.

Am Ende des Kindergartentages, um 18.00 Uhr mussten die Großen die Stube kehren. Die jüngeren Geschwister turnten, sehr zum Ärger der Älteren in dieser Zeit auf den Bänken herum und spielten Fangen.

Fototermin - Bei den seltenen Fototerminen im Kindergarten entstand natürlich immer Streit um die schöne Puppe. Auf so manchen Foto ist am Gesichtsausdruck zu erkennen wer gewonnen hatte. Vor solchen Fototerminen ging es natürlich vorher zum Friseur und das Sonntagskleid wurde natürlich auch angezogen.


Für Vorführungen, so am Ende des Kindergartenjahres oder an Weihnachten, studierten wir sehr oft Theaterstücke ein, immer wurde auch ein Reigen für die Aufführungen einstudiert. Ein Reigen, getanzt von den Kleinen, ein kleines Theaterstück, vorgeführt von den Älteren, ein Gedicht, vorgetragen von den Großen, war meistens im Programm, manchmal auch ein Luststück. Die Ordensschwestern standen dann immer hinten mit einem Zettel in der Hand und halfen wenn es mal nicht mehr mit dem Text klappte.
An einen Reigen kann ich mich noch gut erinnern erzählte eine der Geschwister: „Es wurde nach „Kling Glöckchen“ getanzt. Ich hatte keine Lust und musste jedoch mitmachen. Bei der Aufführung ging ich allen Übungen und Anweisungen zum Trotz immer in die entgegengesetzte Richtung. Schon beim Heruntergehen von der Bühne setzte es eine Ohrfeige von der Ordensschwester, ohne große Worte. Dieses Lied bleibt mir ewig in Erinnerung.“ Auch haben wir zu „Freut euch des Lebens “ einen Reigen einstudiert.

Die Ordensschwestern waren arme Frauen, die auf die Hilfe der Dorfbewohner angewiesen waren. In den Wintermonaten, von Januar bis März war der Kindergarten geschlossen. Erst als für die Bauern die Arbeit auf dem Feld wieder begann wurde der Kindergarten wieder geöffnet. Es war wohl so, dass in der kalten Jahreszeit am Holz zum Heizen gespart wurde.
So wurden im Herbst, wenn die Kartoffeln geerntet waren den Ordensschwestern von den Bauern ein Sack Kartoffeln gebracht und auch wenn geschlachtet wurde bekamen die Schwestern ihren Anteil.

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